Vom ehemaligen Cup-Rennwagen zum individuellen Motorsportprojekt

Der VW Käfer machte Millionen Menschen mobil, wurde zum automobilen Kulturgut und ermöglichte vielen Motorsportbegeisterten einen vergleichsweise günstigen Einstieg in den Rennsport. Seine sportliche Geschichte reichte von der Formel V bis zum Käfer Cup. Philipp Struck führt diese Tradition auf seine eigene Weise fort. Sein gelb-schwarzer VW 1303 ist ein ehemaliger Käfer-Cup-Rennwagen, der über die Jahre technisch umfassend weiterentwickelt wurde. Beim Oldtimer Trackday am Lausitzring stand das außergewöhnliche Fahrzeug vor der Kamera.

Kaum ein Automobil hat die Geschichte der individuellen Mobilität so nachhaltig geprägt wie der VW Käfer. Seine unverwechselbare Form, die robuste Technik und die vergleichsweise einfache Konstruktion machten ihn weltweit zu einem Erfolgsmodell. Doch der Käfer war nie ausschließlich ein zuverlässiger Alltagsbegleiter. Seine überschaubare Technik, die große Verbreitung und die vielfältigen Möglichkeiten zur Leistungssteigerung machten ihn auch für den Motorsport interessant. Mit der Formel V entstand eine wichtige Einstiegsklasse für den Nachwuchs, später bot unter anderem der Käfer Cup eine Möglichkeit, den luftgekühlten Volkswagen auf der Rundstrecke zu bewegen. Dass die Faszination bis heute anhält, zeigt das Projekt von Philipp.

Seine eigene Geschichte mit dem Motorsportkäfer begann 2021. Damals lernte er Ole Endler kennen, der den Cup-Käfer von Elmar Sperber besitzt. Gemeinsam besuchten sie das ARW in Meppen. Da Philipp am Vortag Geburtstag gehabt hatte, schenkte ihm Ole einige Runden am Steuer seines Cup-Käfers. Anschließend durfte er auch noch bei Thomas Wöhr mitfahren. Spätestens danach stand fest: Ein eigener Käfer für den sportlichen Einsatz musste her.

In den folgenden vier bis fünf Wochen versorgte Philipp Ole regelmäßig mit Kleinanzeigen und möglichen Fahrzeugen, die als Basis für einen Umbau infrage kommen könnten. Die Auswahl war entsprechend vielfältig. Irgendwann beendete Ole die Suche allerdings mit einem eigenen Vorschlag: Er habe möglicherweise noch ein passendes Auto. Die Lösung stand in Lörrach.

Dort wartete Oles ehemaliger Rennwagen, ein VW 1303 in auffälligem Schwefelgelb. Allerdings nicht im originalen VW-Farbton, sondern in RAL-Schwefelgelb. Die Geschichte des Fahrzeugs reicht bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. Ursprünglich als serienmäßiger 1303 S gebaut, wurde der Käfer von 1993 bis 1997 im Käfer Cup eingesetzt. Anschließend kam er zu Ole Endler. Der Zustand war damals bereits so, dass eine umfangreiche Restaurierung notwendig wurde.

Im Zuge der Arbeiten bekam Ole von einem Bekannten einen Vorderwagen eines 1303 mit Rechtslenkung geschenkt. Daraus entstand die Idee, den Käfer im Rahmen der Restaurierung ebenfalls auf Rechtslenkung umzubauen. Das Ergebnis ist eine Besonderheit innerhalb der Käfer-Cup-Geschichte: Nach Angaben von Philipp handelt es sich um den einzigen 1303, der als Rechtslenker im Käfer Cup eingesetzt wurde.

Nach der Besichtigung in Lörrach waren sich Philipp und Ole schnell einig. Eine Bedingung stellte Ole allerdings: Der Käfer sollte einen neuen Überrollkäfig bekommen. Die Umsetzung ließ nicht lange auf sich warten. Bei Heigo wurden gleich zwei Käfige bestellt, einer für Oles 1302 und einer für Philipps neuen 1303.

Ein fertiges Rennfahrzeug war der gelbe Volkswagen zu diesem Zeitpunkt allerdings noch lange nicht. Seit 2004 hatte er mehr oder weniger teilzerlegt gestanden. Immerhin war er noch rollbar, doch bis zum nächsten Einsatz wartete einiges an Arbeit. Zuhause angekommen, wurde zunächst die vorhandene Technik kontrolliert und überarbeitet. Der neue Überrollkäfig musste eingepasst, neue Schalensitze mussten montiert und ein kompletter Kabelbaum angefertigt werden. Dazu kamen zahlreiche weitere Arbeiten, bis aus dem lange abgestellten Fahrzeug wieder ein einsatzfähiger Rennkäfer geworden war.

Besonders intensiv beschäftigte sich Philipp mit der Motorisierung. Verschiedene Konzepte standen zur Diskussion: vom klassischen 1600er Typ 1 über einen 2,0-Liter-Typ-1 bis hin zum Typ 4. Letztlich fiel die Entscheidung auf einen 2,4-Liter-Typ-4-Motor. Ein zentral stehendes Porsche-Gebläse, zwei 48er-IDA-Vergaser und eine Ahnendorp-Cup-Abgasanlage vervollständigten das Antriebskonzept. Mit dieser Konfiguration bewegte Philipp den Käfer zunächst zwei Jahre.

Doch damit war die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Im nächsten Schritt wurden Fahrwerk, Bremsanlage und Antrieb nochmals grundlegend überarbeitet. An der Vorderachse kommt seitdem ein KW V3 Competition zum Einsatz. Für die Verzögerung sorgt eine Porsche-944-Turbo-Bremsanlage an Vorder- und Hinterachse. Auch beim Getriebe entschied sich Philipp für eine Lösung außerhalb des serienmäßigen Volkswagen-Baukastens: Ein Porsche-914-Getriebe mit angepasster Übersetzung überträgt die Kraft auf die Hinterräder.

Bei den Rädern fiel die Wahl auf Mahle-BBS-Felgen in den Dimensionen 7 und 8 x 15 Zoll, bestückt mit Toyo R888R. Die Karosserie wurde ebenfalls konsequent auf den sportlichen Einsatz abgestimmt. Vordere und hintere Kotflügel, Kofferraumhaube, Motordeckel und Stoßfänger bestehen aus GFK. Ein Kamei-Frontspoiler ergänzt die Frontpartie. Seiten- und Heckscheibe wurden durch Makrolon ersetzt, um weiteres Gewicht einzusparen. Im Innenraum befinden sich Sparco-Circuit-Schalensitze, während ein Heigo-Überrollkäfig für die Sicherheitsstruktur sorgt. Die Vorderachse ist eine Eigenkonstruktion mit Dreieckslenkern.

Das Ergebnis bringt gerade einmal 840 Kilogramm Leergewicht auf die Waage. Für einen klassischen VW 1303 ist das eine konsequente Gewichtsoptimierung, die zusammen mit der überarbeiteten Fahrwerks- und Bremsentechnik die Grundlage für den sportlichen Einsatz bildet.

Auch beim Motor bleibt Philipp seiner Linie treu, entwickelt das Konzept inzwischen aber konsequent weiter. Der nächste Umbau ist bereits in Arbeit. Statt des bisherigen 2,4-Liter-Triebwerks soll künftig ein neu aufgebauter 2,8-Liter-Typ-4-Motor für Vortrieb sorgen. Dabei verabschiedet sich Philipp von der bisherigen Vergasertechnik. Eine frei programmierbare Einspritzanlage von Link ECU übernimmt künftig die Motorsteuerung, die Luftzufuhr erfolgt über 50-Millimeter-Drosselklappen.

Zusätzlich bekommt der neue Motor eine Trockensumpfschmierung. Der Öltank wird individuell im hinteren Seitenteil untergebracht. Gerade bei einem Fahrzeug, das auf der Rennstrecke bewegt wird, ist eine zuverlässige Ölversorgung unter hohen Querbeschleunigungen ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzepts. Auch bei diesem Umbau steckt der Teufel im Detail. Dass Philipp ausgerechnet beim Käfer gelandet ist, hat einen persönlichen Hintergrund. Die Begeisterung für die luftgekühlten Volkswagen begleitet ihn bereits seit seiner Kindheit. Schon damals schraubte er gemeinsam mit seinem Vater an Käfern und sammelte erste Erfahrungen mit der Technik. 2014 kam schließlich sein erster eigener Volkswagen dazu. Diesen restaurierte er zusammen mit seinem Vater. Bis heute ist das Auto im Sommer im Alltag und auf Touren unterwegs.

Der Käfer ist für Philipp also weit mehr als eine beliebige Basis für ein Motorsportprojekt. Er kennt die Konstruktion, weiß um ihre Eigenheiten und fühlt sich mit der Technik vertraut. „Beim Käfer kenne ich mich aus, ich fühle mich dort wohl, ich kenne jede Schraube“, beschreibt er seine Verbindung zum luftgekühlten Volkswagen.

Genau darin liegt auch der besondere Reiz seines 1303. Es geht nicht allein darum, möglichst viel Leistung aus einem alten Boxermotor herauszuholen oder möglichst viele hochwertige Komponenten zu verbauen. Vielmehr reizt Philipp die Aufgabe, ein Auto, das ursprünglich nicht für hohe Geschwindigkeiten auf der Rennstrecke konstruiert wurde, so umzubauen, dass es dort sicher und entsprechend schnell bewegt werden kann. Die Kombination aus geringem Gewicht, umfangreicher Fahrwerksüberarbeitung, leistungsfähiger Bremsanlage und individuell aufgebautem Antrieb macht den besonderen Charakter des Projekts aus.

Mit dem geplanten 2,8-Liter-Typ-4-Motor steht bereits die nächste Ausbaustufe an. Der gelb-schwarze Rechtslenker wird Philipp also auch in Zukunft beschäftigen und wer seine bisherige Entwicklung betrachtet, darf davon ausgehen, dass das Projekt noch nicht am Ende angekommen ist.

From former cup race car to bespoke motorsport project

The VW Beetle brought mobility to millions, became an automotive cultural icon, and offered many motorsport enthusiasts a relatively affordable entry point into racing. Its sporting history spans everything from Formula V to the Beetle Cup. Philipp Struck is continuing this tradition in his own unique way. His yellow-and-black VW 1303 is a former Beetle Cup race car that has undergone extensive technical development over the years. This extraordinary vehicle was captured on camera during an "Oldtimer Trackday" at the Lausitzring.

Few automobiles have shaped the history of individual mobility as profoundly as the VW Beetle. Its distinctive shape, robust engineering, and relatively simple construction made it a global success. Yet, the Beetle was never just a reliable everyday companion; its straightforward mechanics, widespread availability, and the many ways to boost its performance also made it an attractive choice for motorsport. Formula V served as an important entry-level category for up-and-coming drivers, while the Beetle Cup—among other series—later provided an opportunity to race these air-cooled Volkswagens on a circuit. The fact that this fascination endures to this day is perfectly illustrated by Philipp’s project.

His own journey with a motorsport-oriented Beetle began in 2021, when he met Ole Endler, the owner of a Cup Beetle originally belonging to Elmar Sperber. Together, they attended an ARW event in Meppen. Since it had been Philipp’s birthday the day before, Ole gifted him a few laps behind the wheel of his Cup Beetle. Afterward, he even got the chance to go for a ride-along with Thomas Wöhr. From that moment on, it was clear: he needed a Beetle of his own for racing.

Over the next four to five weeks, Philipp regularly sent Ole classified ads and listings for potential vehicles that could serve as a base for a conversion. The options were as varied as they were numerous. Eventually, Ole brought the search to an end with a suggestion of his own: he might just have a suitable car. The solution was located in Lörrach.

Waiting there was Ole’s former race car—a VW 1303 in a striking sulfur yellow. It wasn’t the original VW factory shade, but rather a "sulfur yellow" from the RAL color standard. The vehicle’s history dates back to the early 1990s; originally built as a standard 1303 S, the Beetle competed in the "Beetle Cup" (Käfer Cup) between 1993 and 1997. Afterward, it came into the possession of Ole Endler. By that time, its condition was such that an extensive restoration was required.

During the restoration process, an acquaintance gifted Ole the front section of a right-hand-drive 1303. This sparked the idea to convert the Beetle to right-hand drive as part of the rebuild. The result is a unique piece of Beetle Cup history: according to Philipp, this is the only 1303 that was ever raced in the Beetle Cup as a right-hand-drive vehicle.

After inspecting the car in Lörrach, Philipp and Ole quickly reached an agreement. Ole did, however, set one condition: the Beetle had to be fitted with a new roll cage. This was promptly addressed; two cages were ordered from Heigo—one for Ole’s 1302 and another for Philipp’s new 1303.

At that stage, however, the yellow Volkswagen was still far from being a race-ready vehicle. It had been sitting in a partially disassembled state since 2004. While it could still roll, a significant amount of work lay ahead before it could return to the track. Once it arrived home, the existing mechanical components were inspected and overhauled. The new roll cage had to be fitted, new bucket seats installed, and an entirely new wiring harness fabricated. These tasks, along with numerous other jobs, were required to transform the long-dormant vehicle back into a race-ready Beetle.

Philipp devoted particular attention to the engine setup. Several concepts were considered—ranging from a classic 1600cc Type 1 and a 2.0-liter Type 1 to a Type 4 engine. Ultimately, the choice fell on a 2.4-liter Type 4 engine. A centrally mounted Porsche-style cooling fan, dual 48mm IDF carburetors, and an Ahnendorp "Cup" exhaust system rounded out the powertrain configuration. Philipp raced the Beetle in this setup for two years.

However, the development process did not end there. In the next phase, the suspension, braking system, and drivetrain underwent a comprehensive overhaul. A KW V3 Competition suspension system was fitted to the front axle, while a braking system from a Porsche 944 Turbo was installed at both the front and rear. For the transmission, Philipp again looked beyond the standard Volkswagen parts bin, opting for a Porsche 914 gearbox with custom gear ratios to deliver power to the rear wheels.

For the wheels, the choice fell on Mahle-BBS rims measuring 7x15 and 8x15 inches, fitted with Toyo R888R tires. The bodywork has also been systematically optimized for performance driving; the front and rear fenders, trunk lid, engine cover, and bumpers are all made of fiberglass-reinforced plastic (GRP). A Kamei front spoiler rounds off the front end, while the side and rear windows have been replaced with Makrolon (polycarbonate) to further reduce weight. Inside, the car features Sparco Circuit bucket seats, and a Heigo roll cage provides the necessary safety structure. The front axle is a custom-designed setup utilizing triangular wishbones.

The result is a curb weight of just 840 kilograms. For a classic VW 1303, this represents a rigorous weight-optimization effort which, combined with upgraded suspension and braking systems, forms the foundation for its use in motorsport.

Philipp has also remained true to his philosophy regarding the engine, while continuing to systematically evolve the concept. The next round of modifications is already underway: the current 2.4-liter engine is set to be replaced by a newly built 2.8-liter "Type 4" engine. In this transition, Philipp is moving away from carburetors; a fully programmable Link ECU fuel-injection system will now manage the engine, with air intake handled by 50-millimeter throttle bodies.

Additionally, the new engine will feature a dry-sump lubrication system, with the oil tank custom-mounted within the rear quarter panel. For a vehicle driven on the racetrack, ensuring a reliable oil supply—even under high lateral acceleration—is a crucial component of the overall design. As with any such build, the devil is in the details. The fact that Philipp ended up with a Beetle, of all cars, has a personal backstory: his passion for air-cooled Volkswagens dates back to his childhood. Even then, he would work on Beetles alongside his father, gaining his first hands-on experience with their mechanical systems. In 2014, he acquired his very first Volkswagen, which he restored together with his father—a car that remains in use today, serving as a daily driver and a companion for road trips during the summer months.

For Philipp, the Beetle is far more than just a convenient platform for a motorsport project. He understands its design, is well-versed in its quirks, and feels completely at home with its engineering. "I know the Beetle inside out; I’m comfortable with it—I know every single bolt," he says, describing his connection to the air-cooled Volkswagen.

This is precisely what makes his 1303 model so compelling. It isn’t simply about extracting maximum power from an old flat-four engine or packing the car with high-end components. Instead, Philipp is driven by the challenge of transforming a vehicle—one never originally designed for high-speed track use—into a machine that can be driven there both safely and at speed. The combination of low weight, an extensively reworked suspension, a high-performance braking system, and a custom-built powertrain defines the unique character of this project.

With a 2.8-liter "Type 4" engine already in the works, the next stage of development is already underway. This yellow-and-black, right-hand-drive Beetle will continue to keep Philipp busy—and given the progress made so far, it’s safe to assume that this project is far from finished.

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Melkus Typ 64